top of page

CrossFit Erfahrungsbericht: Tizian & Isabelle verlieren zusammen über 45 kg

  • Autorenbild: Elena  De Simoi
    Elena De Simoi
  • vor 15 Stunden
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 12 Minuten

Der Moment, in dem die Zahl auf dem Papier lauter war als jede Ausrede


Wie aus einem erzwungenen Bring-a-Friend-Training die Geschichte von Tizian & Isabelle wurde – über 45 Kilo Gewichtsverlust TOTAL, eine Ehe im Team-WOD und einen Hund, der heute das Nachsehen hat



Januar 2025, ein InBody-Scan bei uns im Studio. Tizian steht auf der Platte, die Elektroden an Händen und Füssen, und wartet auf eine Zahl, von der er eigentlich schon wusste, dass sie ihm nicht gefallen würde 114.6 Kilogramm.


Tizian & Isabelle, August 24
Tizian & Isabelle, August 24

Schwarz auf weiss, unbestechlich, ohne den Trost, den man sich selbst gerne einredet, wenn man nur auf die Waage zuhause schaut. «Ich wusste zwar, dass ich übergewichtig war», sagt er heute, «aber die Zahl schwarz auf weiss zu sehen, war nochmals etwas anderes.»




Der Weg dahin – und vor allem der Weg danach – begann Monate zuvor mit etwas, das keiner von beiden geplant hatte: einem Bring-a-Friend-Training, zu dem Tizian ehrlich gesagt gar nicht so recht wollte.

«Meine Frau musste mich ziemlich überreden, überhaupt hinzugehen», gibt er unumwunden zu. Eingefädelt hatten es die Nachbarn, die selbst schon bei uns trainierten. Wie das eben so ist mit guten Ideen anderer Leute: Man sträubt sich, geht dann doch mit – und ist im Nachhinein fassungslos, wie knapp man an der eigenen besten Entscheidung vorbeigeschrammt wäre.





Streng, ehrlich, ein bisschen absurd


Isabelle war von Anfang an die Unerschrockenere von beiden – und lieferte gleich die Anekdote, die die beiden bis heute zum Lachen bringt. Ihr erstes Training bestand aus Kettlebell Box-Step-Overs bei Elena, hart genug, dass sie danach auf die Frage, ob es ihr denn Spass gemacht habe, komplett erschöpft und völlig ungefiltert mit «Nein» antwortete. Nicht trotzig, nicht enttäuscht – einfach zu müde für Höflichkeiten. Es hatte ihr 'natürlich' gefallen. Sie konnte es nur in dem Moment nicht mehr sagen. :-)

Tizian, damals noch langsamer als die Hunde :-), August 23
Tizian, damals noch langsamer als die Hunde :-), August 23

Tizian dagegen ging mit einer anderen Sorge ins erste Training: der Angst, sich zu blamieren. «Ich hatte auch Angst, dass Übungen vorkommen, die ich gar nicht kann.» Was ihn überzeugte, war nicht ein einzelner Klimmzug oder eine geschaffte Wiederholung, sondern etwas Grundsätzlicheres: «Der Coach geht auf jede einzelne Person ein, schaut genau hin und passt Übungen an, wenn etwas noch nicht passt. Dadurch fühlte ich mich von Anfang an gut aufgehoben.» Ein Satz, der banal klingt, bis man bedenkt, wie viele Menschen genau deshalb nie ein zweites Mal in ein Fitnessstudio gehen: weil sich niemand die Mühe macht hinzuschauen.


Ein Leben, das sich normal anfühlte – bis es das nicht mehr tat


Was diese Geschichte für so viele von uns greifbar macht, ist gerade, wie unspektakulär der Ausgangspunkt war. Kein Unfall, keine Diagnose, kein dramatischer Auslöser. Nur ein Alltag, der sich Stück für Stück eingerichtet hatte: Bewegung fast ausschliesslich bei den Spaziergängen mit dem Hund, eine fettreiche Ernährung ohne besonderen Gedanken an Kalorien, und ein Nachmittagstief im Büro, das so verlässlich kam wie die Kaffeepause.

Mann mit Rucksack und braunem Hund im Wald; der Hund sitzt auf einem moosigen Baumstumpf und blickt ihn an.
Tizian, Juni 24

«Nach der Arbeit legte ich mich oft aufs Sofa und schlief einfach ein», erzählt Tizian – nicht als Klage, sondern als nüchterne Beschreibung eines Zustands, den er selbst längst als unbefriedigend erkannt hatte, ohne zu wissen, wie er ihn ändern sollte.

Ein Fitness-Abo hatte er schon einmal probiert. Gescheitert war es nicht am ersten Tag, sondern an all den Tagen danach, wenn niemand fragt, ob man kommt, und niemand merkt, wenn man nicht kommt. Genau das war es, was ihm fehlte, und genau das fand er im CrossFit: «Ich muss mir keine Gedanken darüber machen, was ich trainieren soll – ich kann mich voll auf das Training konzentrieren. Und das Training in der Gruppe war ein grosser Vorteil. Man motiviert sich gegenseitig und gibt nicht so schnell auf.»


Muskelkater, Selbstzweifel und die Sache mit dem Nicht-verurteilt-Werden


Die OnRamp-Phase brachte beides: Fortschritt und ziemlich viel Wehklagen über schmerzende Beine. «Als ich nachts aufstehen musste, fragte ich mich ernsthaft, ob meine Arme und Beine noch im Bett liegen geblieben sind», erinnert sich Tizian an seine ersten Wochen – eine Geschichte, über die er heute selbst am lautesten lacht. Fachbegriffe wie Deadlift, Push Jerk oder Hang Power Clean sorgten für zusätzliche Verwirrung. «Jeder fängt einmal bei null an», sagt er dazu inzwischen achselzuckend.

Isabelles Hürde lag woanders, und sie war leiser, aber nicht kleiner: allein in ein Klassentraining zu gehen, in dem sie niemanden kannte. Was für Aussenstehende nach einer Kleinigkeit klingt, war für sie eine bewusste Entscheidung, die eigene Komfortzone zu verlassen. Genau diese Erfahrung – dass im CrossFit niemand verurteilt wird, sondern jede und jeder bei null anfangen darf – zieht sich wie ein roter Faden durch beide Geschichten. Es ist der Punkt, an dem aus einem Probetraining eine Gewohnheit wird: wenn man merkt, dass die eigene Unsicherheit hier keine Bühne bekommt.


Zwei Strategien, ein Ziel


Bei der Ernährung könnten die beiden unterschiedlicher kaum vorgehen – und genau das macht ihre Geschichte auch für Leserinnen und Leser mit ganz anderem Naturell nützlich. Tizian ist der Typ Zahlenmensch: Seit Januar 2025 trackt er akribisch mit einer App, kalkuliert Kaloriendefizit und Proteinzufuhr, fotografiert sein Essen im Restaurant. Anfangs erntete er dafür in der Familie schräge Blicke. «Mittlerweile gehört das einfach dazu. Und ganz wichtig: Es gibt auch bei uns ab und zu einen Döner oder einen Hamburger mit Pommes. Für mich geht es nicht um Verzicht, sondern um die richtige Balance.»


Isabelle dagegen denkt in Bausteinen statt in Zahlen: «Fehlt Protein, wird ein proteinreiches Lebensmittel gegessen. Sind genügend Fette vorhanden, wird etwas Fettärmeres vorgezogen.» Kein Tracking, kein Kalorienzählen – dafür eine tägliche, intuitive Bestandsaufnahme. Zwei Systeme, ein Resultat: Beide kamen ans Ziel, nur auf komplett unterschiedlichen Wegen. Wer glaubt, es gäbe nur die eine richtige Methode, sollte sich diese beiden Geschichten nebeneinanderlegen.


Was beide eint, ist die Verbindlichkeit. «Durch das Einbuchen der Termine sind diese für mich genau gleich zu behandeln wie Geschäftstermine», sagt Isabelle. Und wenn doch einmal jemand fehlt? «Wird man sofort gefragt: ‹Wo warst du? Geht es dir gut?›», sagt Tizian. «Das zeigt, dass man nicht einfach eine Mitgliedsnummer ist.»


Die unbequeme Wahrheit über das gemeinsame Training


Lachendes Paar macht Selfie an der Küste, mit uvex- und Asics-Sonnenbrillen vor blauem Meer und Himmel.
Isabelle & Tizian, Juli 26

Am ehrlichsten wird diese Geschichte dort, wo es nicht nur um Fortschritt geht, sondern um das, was gemeinsames Training mit einer Beziehung macht. Isabelle hatte lange ein Gefühl, das viele Paare kennen, die zusammen trainieren: die Angst, die schwächere Hälfte zu sein und den anderen aufzuhalten. «Ich habe immer das Gefühl gehabt, ich würde ihn aufhalten.» Erst mit der Zeit drehte sich diese Wahrnehmung um. Was sie lange als Schwäche empfand, entpuppte sich als Funktion: «Mittlerweile weiss ich, ich helfe ihm, seine Workouts in Zone 2 zu absolvieren und nicht permanent am oberen Limit zu kleben.»



Aus vermeintlichem Bremsklotz wurde Trainingspartnerin mit eigener, unverzichtbarer Rolle – eine Umdeutung, die mehr über die beiden aussagt als jede Kilogrammzahl.

Reibungslos war das nicht immer. Bei Team-WODs, geben beide zu, ist der Ehrgeiz nicht immer gleich verteilt, und das sorgt bis heute für Lacher und gelegentlich für Diskussionen. Tizian ist trotzdem überzeugt: «Das gemeinsame Training hat uns als Paar noch enger zusammengeschweisst.»


Die Zahlen – und was sich dahinter verbirgt


Tizian

Körperfettmasse in Prozenten
Körperfettmasse in Prozenten

Gewicht (InBody): 114.6 kg → 83.7 kg

Körperfettanteil: 42 % → 8.7 %

Ruhepuls: 75–80 bpm → 42–45 bpm

10-km-Lauf: nicht vorstellbar → unter 50 Minuten

Beweglichkeit (Roll & Reach): kaum möglich → Fussspitzen am Boden


Insgesamt hat er seit seinem tatsächlichen Startgewicht von rund 122 kg über 35 Kilogramm verloren. Interessant ist, was er selbst als grösste Veränderung nennt – und es ist nicht die Zahl auf der Waage:

«Ich habe gelernt, dass Disziplin stärker ist als Motivation.»

Isabelle


Gewicht (InBody): 69.1 kg → 59.3 kg

Körperfettanteil: 36.0 % → 23.9 %


Die spannendere Zahl liefert aber ihr eigenes Experiment dazu: Im ersten Jahr trainierte sie konsequent, liess die Ernährung aber bewusst unverändert – und verlor dabei gerade einmal 3 % Körperfett. Ein Ergebnis, das ernüchternd hätte sein können, aber stattdessen zur wichtigsten Erkenntnis wurde: «Ohne Ernährung funktioniert es nicht.» Manchmal ist der Wert einer Zahl nicht, was sie zeigt, sondern was sie einem beibringt.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Hund. «Früher haben mich unsere Hunde gezogen, heute laufe ich ihnen davon», sagt Tizian mit einem Augenzwinkern – und meint damit ziemlich genau das, was passiert: Beim gemeinsamen Joggen ist inzwischen eher der Hund das limitierende Element, weil er lieber an einem Baum schnuppert, als zehn Kilometer durchzuziehen. Isabelle kann bei diesem Wettrennen nicht mithalten, ihre Hündin ist noch immer schneller als sie. Für sie war ohnehin ein anderer Massstab entscheidender: «Für mich waren die Kleider der bessere Massstab. Da habe ich gemerkt: Es verändert sich etwas.»


Was bleibt, wenn die Waage nicht mehr das Ziel ist


Der eigentliche Wendepunkt für Tizian war weniger körperlich als gedanklich: «Der wichtigste Perspektivenwechsel war für mich, dass ich aufgehört habe, nur auf die Zahl auf der Waage zu schauen. Heute geht es mir darum, gesund, fit und leistungsfähig zu sein. CrossFit ist für mich kein Mittel zum Zweck mehr, sondern ein fester Bestandteil meines Lebens geworden.» Die Gewichtsabnahme, sagt er, sei heute eher Resultat als Ziel. Auch sein Auftreten hat sich verändert: «Früher wollte ich mich mit möglichst weiter Kleidung verstecken. Heute macht es mir Freude, Kleidung zu tragen, in der ich mich wohlfühle.»

Bei Isabelle war es die Selbstwahrnehmung, die sich am langsamsten, aber nachhaltigsten verschoben hat: «Mein Körperbild hat sich verändert – das dauert aber, bis das im Kopf angekommen ist.»

Heute trägt sie, was ihr gefällt, «egal welche Meinung eine andere Person haben könnte». Und im Training selbst hat sie etwas gefunden, das über den Sport hinausreicht: «Im Training zählt nur das Hier und Jetzt. Dadurch kann ich mich erden.»


Wo die Reise weitergeht


Ausruhen ist für die beiden keine Option. Tizian will sein Gewicht langfristig halten, ernährungstechnisch auf Erhaltungskalorien umstellen und gezielt Muskelmasse aufbauen; an seiner Overhead-Kraft arbeitet er in den nächsten Monaten. Isabelles Ziele sind konkreter Natur: Kipping Pull-ups zusammenhängen, Toes-to-Bar


Ihr Rat an alle, die gerade da stehen, wo sie vor anderthalb Jahren standen, ist erfrischend unspektakulär – vielleicht gerade deshalb glaubwürdig: «Fang einfach an, bleib geduldig und gib nicht auf. Fortschritt entsteht durch Konstanz, nicht durch Perfektion», sagt Tizian. Isabelle ergänzt: «Verlass deine Komfortzone und probiere Neues aus. Ob es dir gefällt, weisst du erst, nachdem du es probiert hast.»



Übrigens, falls du dich fragst, ob so eine Geschichte auch ohne fünf Trainings pro Woche oder Startnummer funktioniert: Die meisten von uns trainieren zwei- bis viermal pro Woche, ganz ohne Wettkampfambitionen.

Angekommen, im 'neuen & fitteren' Leben.
Angekommen, im 'neuen & fitteren' Leben.

Es geht nicht um das eine grosse Ziel, sondern um den ersten Schritt. Wie Tizian es formuliert:

«Warum hast du bis jetzt noch nicht begonnen? Komm in ein Kennenlerngespräch und erlebe selbst, was es bedeutet, Teil einer Community zu sein.»



Vielen Dank, Tizian & Isabelle, dass ihr eure Geschichte mit uns teilt!


Kommentare


bottom of page